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10./11. März 2017

IGFP-Kongress

Einmal im Jahr veranstaltet die IGFP den weltweit größten Kongress zum Thema Pferdezahnmedizin in der Nähe von Wiesbaden.

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10/11 March 2017

IGFP conference

Once a year the IGFP organizes the world's biggest conference Topic horse dentistry near Wiesbaden.

Set here

2017

IGFP-Workshops

Zahlreiche IGFP-Workshops in 2017

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Gebiss allgemein

Im Pferdezahngebiss können unter anderem überzählige, nicht angelegte, gebrochene, lose, faule, kariöse und vereiterte Zähne vorkommen, aber auch Knochenauftreibungen der Lade. Diese veränderten unphysiologischen Befunde können infolge mangelnder Kaukapazität sowohl zu einem schlechten Allgemeinbefinden als auch zur Unrittigkeit führen.

Überzählige Zähne

Es können sowohl im Schneidezahnbereich als auch bei den Backenzähnen überzählige Zähne auftreten. Manchmal entstehen bei den Schneidezähnen durch überzählige Zähne doppelte Zahnreihen zwischen denen sich Futter festsetzt. Übler Geruch und Zahnfleischentzündungen (Parodontose) mit Taschenbildung bis hin zum Zahnverlust sind die Folge.

Bei den Backenzähnen unterscheidet man zusätzliche Zähne als Fortsetzung der Zahnreihe, sog. 12 er, die, wenn sie keinen Gegenspieler haben, zu Meißelzähnen werden und sowohl den Kauvorgang als auch die Rittigkeit stark beeinträchtigen, indem sie den Kauausschlag des Unterkiefers in alle Richtungen hemmen und unbehandelt das Zahnfleisch und den gegenüberliegenden Knochen hinter der gegenüberliegenden Zahnreihe verletzen.
Stehen die überzähligen Zähne seitlich der Backenzahnreihe, so kommt es zu Futteransammlungen und Entzündungen zwischen den Nachbarn und ebenfalls Einschränkung des Kauausschlags, da sie keinen Abrieb erfahren und zu lang werden.
Entweder müssen diese Zähne regelmäßig gekürzt oder extrahiert werden.

Alle Fehlstellungen – ob an Schneide- oder Backenzähnen – schränken die Beweglichkeit des Unterkiefers ein und belasten das Kiefergelenk, was dann über muskuläre und nervale Verknüpfungen zu Blockaden der gesamten Wirbelsäule führen kann. Leistungsfähigkeit und Rittigkeit werden dadurch stark eingeschränkt.

Verlorene Zähne

Wenn ein Zahn fehlt, entsteht durch übermäßiges Wachstum des gegenüberliegenden Partners ein so genannter Meißelzahn, der nicht nur das Kauen behindert sondern auch bis in das Zahnfleisch und den Knochen ragen kann. Außerdem können die Nachbarzähne mit der Zeit in die Lücke kippen und instabil werden, oder die Zahnreihe verkürzt sich dadurch und auf der gegenüberliegenden längeren Zahnreihe entstehen an den Enden Haken.
Eine Korrektur spätestens alle 6 Monate wird nötig, da es sonst zu Kaustörungen und Rittigkeitsproblemen kommt.

Gebrochene Zähne, Zahnfrakturen

Ursachen für Frakturen können Traumen wie Tritte, Stürze, Biss auf harte Gegenstände z.B. auch ein unsachgemäßer Gebrauch von Zahnraspeln oder Maulkeile, aber auch tiefe Karies usw. sein.
Durch Röntgen lässt sich das Ausmaß der Schädigung im Kopfknochen zusätzlich diagnostizieren. Sind Wurzelkanäle betroffen, die sog. Pulpa, das belebte Innere des Zahns – Nerven, Blut und Lymphgefäße- oder schon vereiterte Wurzeln erkennbar, muss der Zahn gezogen werden.

Lose Zähne

Lockere Zähne finden sich abgesehen von Milchzähnen meist bei alten Pferden, bei denen die Zahnwurzeln oft nicht länger als die Kronen sind und dem Kaudruck nicht mehr standhalten.
Bei Wellengebissen und verkippten Zähnen kommt es zu hohen punktuellen Belastungen, die auch bei jüngeren Pferden schon zu Lockerungen führen, ebenso Parodontaltaschen mit Zahnfleisch und Knochenschwund.
Diese losen Zähne schmerzen bei jedem Kauschlag und müssen gezogen werden, wenn eine konservative Zahnbehandlung, bei der der betroffene Zahn aus dem Vollkontakt genommen wird, nicht wieder zur Festigung geführt hat.

Faule Zähne, kariöse Zähne

Karies entsteht oft an den Oberkieferbackenzähnen, deren mit Zahnzement ausgekleideten Infundibula besonders empfindlich gegen Säuren sind. Diese Einstülpungen der Kaufläche füllen sich häufig mit Futterresten. Säuren finden sich in unter anderem in Silage und Obst oder entstehen bei Fütterung kohlenhydratreicher Nahrung wie Getreide, Pellets, Melasse und Brot.
Da eine Selbstreinigung der Pferdezähne vor allem durch Speichel stattfindet und der bei konzentrierter Nahrung weniger gebildet wird, als bei Raufutter, vermehren sich die Bakterien unter den Futterresten. Zusätzlich bleiben Reste von konzentrierter Nahrung in der unregelmäßigen Kauoberfläche der Zähne liegen und werden über Stunden nicht in die Speiseröhre weiter transportiert. Darunter vermehren sich Bakterien und zerstören den Zahn.
Aber auch andere Defekte an allen Zähnen wie Fissuren (Haarrisse) oder offene Pulpenkanäle können von Kariesbakterien befallen werden und entweder zu Zahnfrakturen (s. Abbildung 2) und/oder Vereiterung im Wurzelbereich führen.

Vereiterung der Zahnwurzel

Zahnschädigungen durch Traumen, Zahnfleischtaschen oder Karies führen zum Eindringen von Bakterien bis in das Knochenfach. Hier bildet sich dann Eiter, der entweder seitlich am Zahn entlang in die Maulhöhle fließt oder meistens am Unterkiefer unter Auflösung des Knochens einen Fistelgang nach außen bildet oder im Oberkiefer auch in die Kieferhöhle gelangt und zu stinkendem eitrigen Nasenausfluss führt. Röntgenaufnahmen, Endoskopie und manchmal auch Computertomographie oder Magnetresonanztomographie lassen das ganze Ausmaß der Erkrankung erkennen.
Zähne mit vereiterten Wurzeln sind meistens nicht mehr zu retten und müssen gezogen und die Fisteln/Kieferhöhlen gespült werden.

Knochenauftreibungen in der Lade

Die Laden sind die zahnlosen relativ scharfkantigen Unterkiefer- bzw. Oberkieferäste zwischen Eckschneidezahn bzw. Hengstzahn und erstem Backenzahn.
Hier entstehen durch Wucherungen der Knochenhaut Überbeine (bone spurs) auf Grund von Traumen durch unpassende Gebisse oder deren unsachgemäßen Einsatz. Auch eine durch das Maul gezogene Kette oder ein sog. Steigergebiss kann zu den bone spurs führen. Außerdem können schlecht verheilte Brüche der Kieferäste als Knochenauftreibungen bestehen bleiben.
Diese Überbeine sind nur durch Abtasten der Laden zu finden, daher gehört das Fühlen immer zu einer sorgfältigen Voruntersuchung der Maulhöhle dazu. Auch blinde Wolfszähne imponieren als Auftreibungen der Lade.
Manchmal brechen auch kleine Stücke des Kieferknochens, sog. Sequester, ab und sind sehr schmerzhaft.
Pferde mit Auftreibungen in der Lade reagieren besonders empfindlich auf die Zügelführung beim Reiten/Fahren oder können im Extremfall nur noch gebisslos gearbeitet werden.

Mangelnde Kaukapazität

Ursachen für mangelnde Kaukapazität sind sämtliche Imbalancen, die den normalen Kauschlag stören oder schmerzhaft machen, wie die unter anderem oben genannten überzähligen Zähne, Fehlstellungen, Karies, Frakturen, lose Zähne und Zahnverlust, Entzündungen des Kiefergelenks, Zungenbeinbrüche, Zungen- oder andere Mundhöhlenverletzungen, Schwellungen, Fremdkörper, Lähmungen der Nerven, die die Kaumuskeln versorgen und beim jungen Pferd die wackelnden Milchzahnkappen.

Eine Besonderheit beim alten Pferd sind glatte Kauflächen, (Glatzen).
Sie entstehen dadurch, dass die Reservekrone durch das ständige Herausschieben der Zähne aufgebraucht ist und die Pferde quasi auf den Wurzeln kauen.
Der Zahnschmelz, der den Zahn durchzieht und umgibt ist verschwunden. Oft sind die Zähne sogar ausgehöhlt (cupped), weil nur noch am Rand ein Schmelzrest steht.

Die Mahlfunktion kann nicht mehr adäquat ausgeführt werden. Dann kann man hören, dass die Zähne beim Kauen „quietschen“, weil die glatten Kauflächen das Futter nicht zerreiben.

Da die Zähne konisch aufgebaut sind, d.h. die Wurzel verjüngt sich bis zum Ende, entstehen beim alten Pferd durch das Herausschieben größere Zahnzwischenräume, in die Futter gepresst wird. Zahnfleischentzündungen – Parodontose- folgen und das Mahlen wird sehr schmerzhaft.
Die Pferde spucken Wickel aus und magern ab.Durch die entstandenen Zahnzwischenräume und die kurzen Wurzeln kommt es dann auch mechanisch zur Zahnlockerung, jeder Kauschlag schmerzt bis der Zahn ausfällt oder – besser- gezogen wird.