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09./10. März 2018

IGFP-Kongress

Einmal im Jahr veranstaltet die IGFP den weltweit größten Kongress zum Thema Pferdezahnmedizin in der Nähe von Wiesbaden.

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09/10 March 2018

IGFP conference

Once a year the IGFP organizes the world's biggest conference Topic horse dentistry near Wiesbaden.

Set here

2017

IGFP-Workshops

Zahlreiche IGFP-Workshops in 2017

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Fütterung

Leider gibt es auch immer wieder Pferde, denen nicht mehr ausreichend geholfen werden kann und bei denen es nicht mehr möglich ist eine ausreichende Mahlfunktion der Zähne wieder herzustellen. Meistens sind das alte Pferde, deren Zahnsubstanz bis auf die Zahnwurzeln verbraucht worden ist. Da in diesem letzten Bereich der Zähne kaum noch Schmelzfalten vorhanden sind, wird die Reibefläche der Backenzähne zu glatt und es kann keine ausreichende Zerkleinerung der Nahrung mehr stattfinden.

Häufig sind auch Zähne lose geworden und müssen, wenn sie nicht von alleine ausgefallen sind, gezogen werden. In solchen Fällen kann leider auch eine gründliche Zahnbehandlung keine Verbesserung der Futterverwertung bewirken.

Dennoch ist eine regelmäßige Kontrolle wichtig, dass bei Bedarf scharfe Kanten, Haken, Stufen und lose Zähne entfernt werden können.

Probleme treten meistens im Herbst auf, wenn die Fütterung von Gras auf Heu umgestellt wird. Da das Heu härter als Gras ist, können ältere Pferde es häufig nicht mehr ausreichend zerkleinern und verdauen.

Wenn das Pferd abnimmt, Wickel kaut und ausspuckt, die Struktur der Fasern im Kot nicht ausreichend zerkleinert ist und das Pferd eventuell sogar Durchfall entwickelt, ist es allerhöchste Zeit die Fütterung anzupassen.

Es ist sehr wichtig die Fütterung rechtzeitig anzupassen oder umzustellen, bevor das Pferd zu sehr abgebaut hat.

Anpassen der Fütterung heißt nicht, die Kraftfutterration zu steigern oder Zuckerrübenschnitzel zu füttern; dies kann höchstens ergänzend geschehen. Pferde sind keine Körnerfresser! Durch zu viel Kraftfutter kommt die Darmflora aus dem Gleichgewicht.

Das Wichtigste für die Verdauung des Pferdes ist Raufutter (Gras, Heu und Stroh). Kann das Pferd dieses nicht mehr ausreichend zerkleinern, nützt eine Steigerung der Kraftfutterration auch nichts. Dann muss stark vorzerkleinertes Heu in Form von aufgeweichten Heucobs (bzw. Wiesencobs) gefüttert werden. Heucobs bestehen aus sehr fein zerkleinertem Heu, welches in Pelletform gepresst wurde; diese kann man im Futtermittelhandel (z.B. Raiffeisen) kaufen.

!Vorsicht: Heucobs immer frisch einweichen, da sie sonst gären!

Einweichen ist meistens notwendig, da sonst die Gefahr der Schlundverstopfung besteht.

Die Qualität der Heucobs ist sehr unterschiedlich (teurer ist nicht immer besser), deshalb eventuell eine andere Marke ausprobieren, wenn das Pferd die Heucobs nicht mag. Solange die Grasqualität auf der Weide noch gut ist, fällt es auch häufig schwer ein Pferd an Heucobs zu gewöhnen. Es empfiehlt sich Heucobs nach entsprechender Probezeit in größeren Mengen und somit billiger einzukaufen.

Langsam die Menge steigern bis das Pferd wieder zunimmt und entsprechend die notwendige Menge ausprobieren. Sie richtet sich danach wie viel Heu oder Gras das Pferd noch fressen und genügend zerkleinern kann und reicht von ½ bis 1 ½ kg Heucobs (Trockengewicht) pro 100 kg Körpergewicht auf 2 bis 3 Mahlzeiten verteilt.

Eventuell kann eine „Senior“ Fertigfuttermischung (z.B. St. Hippolyt oder Nösenberger „Senior“) statt Kraftfutter gegeben werden. Es ist wichtig darauf zu achten, dass die Körner im Futter thermisch aufgeschlossen sind (beim Hersteller zu erfragen). Dies steigert die Verdaulichkeit und damit den Nutzen für das Pferd.

Ergänzend kann bis zu eine Tasse Pflanzenöl (Sonnenblumen-, Soja-, Leinsamen-), evtl. Malzbier, Kleie, Zuckerrübenschnitzel, Leinsamen gekocht, gut gequetschter Hafer oder Müsli, Kraftfutterpellets und empfehlenswert auch Mineral- und Vitaminfutter dazugemischt werden.

Vorsicht nicht alle Pferde mögen Pflanzenöl, gerade das teure Leinöl wird oft abgelehnt.

Meistens wird die Futterumstellung sehr gut angenommen, was man schnell am Fell und am Bauchumfang sehen kann.

Ein altes Pferd braucht Zeit und Ruhe zum Fressen und muß dazu, wenn es bei Gruppenhaltung von den anderen Pferden bedrängt und gestört wird, separiert werden. Wenn die Fütterung rechtzeitig in dieser Weise angepasst wird und das Pferd sich daran gewöhnen kann, ist es möglich ein Pferd trotz schlechter Zähne absolut ausreichend zu füttern.

Wenn ein Pferd Schmerzen, oder andere gesundheitliche Probleme hat, funktioniert es jedoch nicht und das Pferd nimmt weiter ab. Ein Pferd, das schon immer ein schlechter Fresser war und nur bestimmtes Futter frisst, wird natürlich nur schwer umzustellen sein.

Ein Reichhaltiges Futterangebot

Die Fütterung muss mit dem Stallbesitzer abgesprochen werden, und da der Mehraufwand nicht selbstverständlich ist, muss man natürlich auch etwas mehr bezahlen, wenn es funktionieren soll.

Futterration für alte Pferde (verteilt auf 2-3 Mahlzeiten):

  • ½ bis 1½ kg Heucobs (Trockengewicht) pro 100 kg Körpergewicht
  • bis zu 1 Tasse Pflanzenöl (mit 1 Löffel voll beginnen und langsam steigern)
  • ergänzend Senior-Fertigmischungen (z.B. Cavalor, St. Hippolyt od. Nösenberger)
  • oder gequetschter Hafer oder Müsli (thermisch aufgeschlossen)
  • ergänzend Zuckerrübenschnitzel
  • ergänzend Kleie
  • ergänzend Leinsamen (aufgekocht)
  • evtl. Kraftfutterpellets
  • evtl. Malzbier
  • empfehlenswert Mineral- und Vitaminfutterzusatz